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Vintage-Strats.de:
Würdest Du sagen, dass die klanglichen Unterschiede zwischen Deiner weissen und der dakota red Strat erheblich sind ?

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Marcus:
Die weisse hat einen Glockenklang mit sehr vielen Höhen, welche aber niemals unangenehm klingen.Das ganze Frequenzspektrum ist sehr ausgewogen.Mann braucht, sofern die Gitarre richtig mikrofoniert wurde, wenig bis gar keinen EQ.Die rote klingt schon sehr dunkel. Mann könnte fast glauben. daß ein P-90 am Steg sitzt. Es ist definitiv der fetteste Steg Strat Sound den ich kenne.Dafür hat sie nicht den typischen Hals Pick-Up Sound.

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Vintage-Strats.de:
Na, dann wollen wir uns Deiner Lieblingsgitarre einmal annehmen und hoffen irgendwannin nächster Zukunft - auch mal von der „Roten“ berichten zu dürfen.

Ich denke viele von uns Stratleuten haben schon einmal Deinem Gitarrenspiel lauschen dürfen und viele sind begeistert von Deinem Spielvermögen – aber natürlich auch vom Klang Deiner Gitarre, Deines EquipmentsWas zeichnet – Deiner Meinung nach – diese tolle Gitarre aus ?

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Marcus:
Ich besitze 11 ausgezeichnete Strats, und wenn Du einen Blindtest im Studio machen würdest, würden sich 99% für sie entscheiden.Es ist schwer in Worte zu fassen.Ich brauchte ungefähr 2 Jahre bevor ich sie in den Griff bekam.Sie lässt sich nicht besonders gut spielen, und bleibt auch nicht immer in Tune.Ich muss mit Ihr schon kämpfen, aber sie hat das gewisse Etwas.

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Vintage-Strats.de:
Erzähle uns doch ein wenig über den Erhaltungszustand dieser Gitarre. Ist sie denn noch im Originalzustand?

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Marcus:
Nein.Sie ist ein Player.
Ich nenne sie „ Head Hole“  da es wohl mal eine Indonesische Tanzmuckerklampfe war und zur 9 saitigen umgebaucht wurde.

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Vintage-Strats.de:
Wow, das klingt ja interessant. Da kommt ja nur eine Band in Frage. Ich hatte erst kürzlich eine Jazzmaster in den Händen, deren Headstock in gleicher Weise bearbeitet wurde.

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Marcus:Der Lack wurde, zumindest in Teilen, mit Tipp Ex „ausgebessert“.
(Gelächter)

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Vintage-Strats.de:
Kennst Du denn die inneren Werte dieser 63er Fender Stratocaster ? Halsdatum ? Poticodes ? Sind am Body Produktionscodes, oder Stempel zu finden ?

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Marcus:
Halsdatum ist Okt. oder Nov. 63 / D Potis und Pick-ups waren von 69.

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Vintage-Strats.de:Welche Umbauten wurden denn an der 63er vorgenommen und warum waren sie nötig?

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Marcus:
Ich habe die Gitarre, wie alle meine Gitarren mit hohen Bünden ausgestattet.6105 bei dieser, manchmal nehme ich aber auch 6100.Das verbessert das Sustain, und bei einer täglichen Spielzeit von mehreren Stunden - mit viel Bendings - besitze ich noch Fingerkuppen ;-)

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Vintage-Strats.de:Warum hast Du Dich für die Pickups von Andreas Kloppmann entschieden ?

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Marcus:
Die vorhandenen Pick-ups waren mikrofonisch. Bei einer Bühnenlautstärke von über 100 db kann das problematisch werden.Sie wurden deshalb gegen Kloppmann-PU´s getauschtIch muss sagen, daß die Kloppmanns für mich die besten Pickups auf dem Markt sind.Es gibt viele andere, die ich ausprobiert habe. Kloppmanns sind aber unglaublich.Sie sind wie bereits gesagt meine Favoriten

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Vintage-Strats.de:Die Welt verändert sich. Prozessoren anstatt Röhren. Gitarrensynthesizer, Multieffektgeräte und Gitarrensynthesizer - die Industrie versucht viele neue Geräte auf dem Markt zu etablieren.
Hast Du bereits Erfahrungen mit solchen Geräten gemacht ?

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Marcus:Ich genieße den Luxus, daß mir die Hersteller immer alles zuschicken und sich damit erhoffen mich als Werbeträger zu gewinnen.Bisher habe ich immer alles zurück geschickt....Bleibe aber weiterhin für alles Neue offen. Wer weis, vielleicht kommt er ja irgendwann, der Augenblick, der etwas verändert :-)

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Vintage-Strats.de:Also bleibst Du in absehbarer Zukunft der analogen Zunft treu ?

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Marcus:
Mein Ton ist das wichtigste an meinem Gitarrespiel. Alles muss sich dem fügen.Es gibt Gitarren die sich besser spielen lassen, in Tune bleiben, Verstärker und Pedale die praktischer sind.Ich lege großen Wert auf jedes einzelne Glied der Klangkette - von der Röhre bis zum Kabel. Das ist leider nicht immer praktisch. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich die schwere, aber eben super klingenden  Röhrenamps nicht mehr mit mir herumschleppen müßte.

++

Vintage-Strats.de:
Wo siehst Du in diesem Zusammenhang alte Pre-CBS-Strats in 20 Jahren ?

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Marcus:
Was genau den Zauber der Gitarren aus der Pre-CBS Epoche ausmacht, kann man schwer in Worte fassen.Tatsache ist, der Zauber ist da und alle Menschen mit gutem Gehör erkennen ihn.
Gleichzeitig ist es Fakt, daß diese Instrumente durch Ihren Klang und Ihre Innovationen die ganze Musikgeschichte geprägt haben.
Und auch in 50 Jahren wird man noch tolle Musik auf Ihnen machen. Davon bin ich fest überzeugt.

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Vintage-Strats.de:
Marcus, wir bedanken uns sehr für dieses interessante Interview und das überlassene Bildmaterial. Wünschen Dir, Andrew Gräser, Athanasios Tsoukas und Frank Itt ein spaßerfülltes und erfolgreiches 2013 und uns Fans jede Menge heißer Gigs und zahlreiche interessanter Alben.


Vintage-Strats.de:
Hallo Marcus, zunächst darf ich Dir ein großes Kompliment ausprechen. Für das Vintagestrats-Team bist Du einer der vielfältigsten, fähigsten und innovativsten europäischen Gitarristen. Nicht nur das Album „Organic Pill“ hat uns alle umgehauen.
2013 tourt ihr mit „Organic Pill“ durch ganz Deutschland.

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Marcus:
Ja, bestätigt sind bereits einige Konzerte:Rein zufällig hab ich hier einen aktuellen Flyer ganz exclusiv für dich, Norbert. (Marcus schmunzelt in der für ihn typischen Art und ich weis gleich, was ich mit dem Flyer zu tun habe. Ja Marcus, hier ist er - der Tourplan :-) (Bild links durch Anklicken vergrößern). Eigentlich ist das Jahr schon durchgeplant.

Wir arbeiten aber auch an zusätzlichen Terminen für Auslandskonzerte und grossen Supportshows.Dann bin ich auch sicherlich nochmal auf Fender Clinic Tour. Weitere Infos dazu findet ihr auf unserer Webseite www.errorhead.com

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Vintage-Strats.de:
Na, da werden sich die zahlreichen Fans im In- und Ausland ja freuen !
Du bietest ja hin und wieder auch Seminare/Guitarworkshops an. Wie läuft ein solches Event denn ab und wer kann daran teilnehmen?

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Marcus:
Jeder der für die Gitarre brennt und Grundkenntnisse hat.Ich krieg alles vom Hobbymucker bis zum Vollprofi.Ich versuche bei jedem einzelnen Schwächen und Stärken zu anlysieren,und einen Übungsplan zu erstellen, der auf die individuellen Bedürfnisse eingeht.

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Vintage-Strats.de:
Studiert hast Du das Gitarrenspiel im Musicians Institute in Los Angeles. Ich kann mir vorstellen, dass Du da so manche interessante Begegnung hattest, die Dich und Deine Technik beeinflusste ?

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Marcus:
Ich hatte Unterricht bei Larry Carlton, Scott Henderson, Jennifer Batten, Paul Gilbert und Carl Verheyen. Diese tollen Leute haben mich auch immer ermutigt und sehr gelobt, was wiederum dazu führte, daß ich über Jahre hinweg 12 Stunden am Tag Gitarre spielte.

Ich hatte aber auch das Glück in tollen Bands zu spielen in denen ich unglaublich viel gelernt habe. Von der schwarzen Blues Band, bis zur Prog Rock oder Hard Rock Schiene, von Soul und R+B, alles war dabei. Durch diese „Lebensschule“ hatte ich das unverschämte Glück nie einen normalen Beruf ausüben zu müssen.

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Vintage-Strats.de:
Bis 93 warst Du als Session-Gitarrist in den Vereinigten Staaten unterwegs und im Jahre 2005 wurdest Du vom renommierten amerikanischen „Guitar Player“ Magazin unter die Top 3 der Guitar Heroes gewählt.

Wie lange spielst Du eigentlich Gitarre und mit welchen Gitarren hast Du begonnen.

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Marcus:
Ich spiele seit ich ein Knirps war, also seit 30 Jahren.
Meine erste eigene Klampfe war eine billige Nylon vom Flohmarkt, die ich aber sofort rot lackierte.hä,hä... Die erste spielbare war eine Martin Dreadnougt Kopie von Suzuki, die ich immer noch habe. Jetzt ist sie aber gescallopt.Die erste E-Gitarre war eine C.E. Winner.Model unspielbar, mit durchgehendem Hals, Di Marzio Kopien.

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Vintage-Strats.de:
So viel mir bekannt ist, bist Du hier ganz in der Nähe – in Frankfurt – aufgewachsen. In der Mainmetropole und auch in der Umgebung gab es zu dieser Zeit eine Vielzahl interessanter Gitarrenläden, ein riesiges Angebot an guten Bands und jede Menge GI´s. Welchen Einfluss hatte dieses Umfeld auf Deine Entwicklung ?

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Marcus:
Ein gewaltigen Einfluss.
Ich verbrachte ca. 10 Jahre in FFM, und verbrachte diese Zeit immer in Live Clubs und Gitarrenläden. Tom Knauer , Michael Sagmeister und meine ersten Lehrer Udo Pipper und Frank Wolf waren schon sehr prägend.Ebenso spielte ich ab dem 13 Lebensjahr in Bands und hatte das riesige Glück mit  dem modernen Klassikkomponisten Moritz Eggert an den Keyboards zu spielen.Die Gitarrenläden von Peter Coura und Lothar Weimann nutzte ich immer zum Schule schwänzen und den Erwachsenen beim Ausprobieren der Gitarren ein paar Licks zu klauen.Mein ganzes Leben ist seit dem 13ten auf Musik und Gitarre ausgerichtet. Die Zeit in Frankfurt war einfach sehr fruchtbar und bereitete mich auf die Immigration nach Los Angeles, die ich mit 19 vollzog, sehr gut vor.

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Vintage-Strats.de:
Wann hast Du die erste Fender gespielt  ?

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Marcus:Da war ich 15.

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Vintage-Strats.de:
Was für ein Modell war das denn ?

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Marcus:
Ein schwere End Siebziger in Braun! Mit schwarzem Schlagbrett.Schwer wie 2 Pre CBS Bretter... :-)

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Vintage-Strats.de:
Du hast sicher die unterschiedlichsten Gitarren ausprobiert. Warum hast Du Dich ausgerechnet für unsere Lieblingsgitarre – Fenders Strat – entschieden?

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Marcus:
Ich glaube, sie hat sich für mich entschieden ;-)Ich klinge in den meisten musikalischen Situationen einfach besser mit einer Strat.Ich besitzte wirklich viele Gitarren, die ich alle liebe.Aber wenn es Ernst wird, also im Studio - oder auf der Bühne, ist es zu 95% ne Stratocaster.

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Vintage-Strats.de:
Kannst Du die typischen Einflüsse der Strat auf Dein Gitarrenspiel beschreiben ?

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Marcus:
Als Kind wurde ich vor allem durch Live-Platten geprägt.
Hendrix Band of Gipsys, Gallagher Irish Tour, Purples Made in Japan. Die einzigen non Strat Spieler, die ich als Kind hörte waren B.B. King und Michael Sagmeister, was wiederum meine Affinität zur 335 oder 355 begründet.

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Vintage-Strats.de:
Marcus, in Deinem Inventar befinden sich 2 alte Fender Stratocaster. Beide sind 63er. Ist das Zufall oder hast Du gezielt nach 63er Stratocaster gesucht ? Geboren bist Du ja 67. Mit dem Geburtsjahr kann es also nichts zu tun haben.

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Marcus:
Ich suche eigentlich nie nach Gitarren.Sie kommen immer zu mir. Also auch da bin ich ein Glückskind. Die weisse wurde durch meinen Gitarren-Service-Mann „Benno Seel“, aus Hamburg vermittelt. Er macht alle meine Bundierungen etc.Er sagte, daß er die Gitarre schon seit den 70ern kennt, und er dafür seine Hand ins Feuer legen würde. Diese Aussage war für mich sehr wichtig, da mir damals schon eine 58er Fälschung als Orginal verkauft wurde.
Die „Rote“ hat mein Huthändler als Baustelle unter dem Bett gehabt.Er wollte lediglich von mir wissen was das für ne Gitarre ist, hat sie aber später gegen eine neue getauscht.Du konntest die Bünde mit der Hand rausziehen, sie war refinished, der Hals verzogen. 2 riesige Twin Schalter im Schlagbrett etc.Es war eine Menge Arbeit dieses Wrack überhaupt in Ordnung zu bringen, bzw überhaupt spielbar zu machen.Aber es hat sich sehr gelohnt.

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Vintage-Strats.de:
Was für eine dieser beiden Prachtexemplare ist denn Deine Lieblings-Strat ?

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Marcus:
Die Weisse.

Pfad: Home : Exkurs Übersicht : Interview Marcus Demel

63er Fender Stratocaster - Oly White - Marcus Deml

Ja, was für ein Highlight - der Auftakt ins neue Vintage-Strats Jahr.
Wir hatten Gelegenheit, uns mit  Marcus Deml, dem Frontman von Errorhead, über Gott, die Welt und insbesondere über seine alten Strats zu unterhalten.


Marcus Deml, ein Top 10 Gitarrist, der in Hamburg lebt und innovativer Frontman der Gruppe Errorhead ist, dürfte allen Strat-Fans bekannt sein. Gegenwärtig tourt Errorhead mit dem Album „Organic Pill“ sehr erfolgreich durch Deutschland. Mehr dazu im folgenden Interview mit Marcus.   
(Interview wurde 2013 geführt)