Exkurs - Fender Esprit

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Wohl dem, der in turbolenten Zeiten auf kreative und konstruktive Leute zugehen kann, die ihm mit absoluter Sicherheit unterstützen und helfen. Dabei hat der Helfer momentan genug andere Probleme zu stemmen. Corona macht vielen Profis das Leben verdammt schwer. Ihm unverdienterweise eben auch :-(.

Thomas Palme ist vielen hier bereits bekannt. Er ist Musiker - durch und durch - und schon sehr lange Vintagestrats.de-Member. Dass er ein Stratocaster-Profi ist, bewies er uns erst kürzlich mit seinem Exkurs-Bericht "Einstellung des Vintage-Tremolos", der sicherlich nicht nur mir sehr gut gefallen hat. Thomas hats drauf.

Ja und wie bereits beschrieben, bat ich ihn vor ein paar Wochen um Hilfe, weil ich die neue Ausgabe mit wenigstens einem neuen Bericht veröffentlichen wollte. Es dauerte nicht lange und ich hatte seine Zusage. Thomas - Du bist ein Super-Strat-Freund :-).



Vielen herzlichen Dank für deine schnelle Hilfe und dem interessanten Bericht über die Fender Esprit, die vielen Lesern relativ unbekannt sein dürfte.


Fender Esprit


Grundsätzlich bin ich ja Stratocaster Player. Eine Cimar Strat war meine erste elektrische Gitarre und ich kann mich noch heute an ihren Geruch und an das Spielgefühl ihres Maple Necks erinnern. Das prägt. Im Laufe der Zeit sind natürlich viele andere Gitarren dazu gekommen und auch wieder gegangen, aber die Strat ist noch immer meine absolute Number One Gitarre was Sound und Handling betrifft.


Eine Gitarre allerdings möchte ich heute beschreiben, die absolut eigenwillig und einzigartig in der Fendergeschichte ist: die Fender Esprit.

Die Esprit stammt aus der schwierigster Zeit der Firma Fender. Ende 1984 wurde Fender von CBS an ein Bieterkonsortium rund um Bill Schultz verkauft. Fender stand trotz seiner glorreichen Vergangenheit wieder ganz am Anfang.


Mit ca. 100 Mitarbeitern, ohne Produktionsstätte in den USA, konnte die Firma sich von Februar bis Oktober 1985 nur mit ihrer Produktion in Japan über Wasser halten. Ein Handschlag Deal mit Fuji Gen garantierte, dass überhaupt weiterhin Fender Gitarren erzeugt und ausgeliefert werden konnten.

Dass die Japaner vorzügliche Gitarren bauen konnten, wußte Fender seit der Japan Vintage Serie. Als die amerikanischen Verantwortlichen damals die japanischen Reissues in der Hand hielten, hatten sie angeblich Tränen in den Augen, so gut waren die Gitarren im Vergleich zu den CBS Produkten.

Aus dieser japanischen Produktion stammt auch die von Dan Smith 1983 ins Leben gerufene Master Series. Sie umfasste eine Hollowbody Jazzgitarre, die D'Arquisto und zwei Solidbody Modelle, die Esprit und die Flame.

Die Fender Esprit war in drei „Trim Levels“ zu haben: Standard, Elite und Ultra. Die Ultra hat schließlich dadurch Berühmtheit erlangt, dass Gitarristenlegende Robben Ford sie zu seinem Hauptinstrument auserkoren hatte. Auf dem Cover seines ersten Soloalbums „Talk To Your Daughter“ kann man ihn ganz prominent mit einer japanischen Esprit Ultra sehen.

Als großer Robben Ford Verehrer suchte ich schon lange nach diesen extrem seltenen Gitarren und hatte dann vor mittlerweile auch schon 15 Jahren das Glück innerhalb relativ kurzer Zeit eine Standard und eine Ultra, beide aus 1984 zu ergattern. Seitdem ist vor allem die Ultra zu einem meiner Lieblingsinstrumente geworden. Sie ist schlicht und einfach eine großartige Gitarre mit einer ganz einzigartigen Stimme.

Die Esprit ist prinzipiell eine Solidbody Gitarre mit eingeleimten Hals und gewölbter Decke ähnlich einer Les Paul, allerdings mit 2 Cutaways und einer Soundkammer in ca der gleichen Größe wie das Potifach gegenüber. Das Basis Material ist Erle. Sowohl der dreiteilige Hals als auch Body sind aus diesem Holz. Standard und Elite hatten eine aufgeleimte Ahorndecke, die Ultra als Besonderheit eine Fichtendecke. Griffbrettmaterial ist Rosewood und wiederum als spezielles Feature bei der Ultra Ebenholz.

Genau diese beiden Merkmale der Ultra bestimmen meiner Meinung nach ihren außergewöhnlichen Klang. Ebenholzgriffbretter haben einen sehr drahtigen,
präzisen Ton. Sie strahlen richtig und geben Gitarren einen ganz charakteristischen, glasigen Soundcharakter mit schneller Ansprache. In diesem Punkt ähneln sie den Maple Necks einer Strat. Die Fichtendecke wiederum erzeugt einen akustischen Sound, der die Gitarre fast schon in die Nähe von Gibsons semiakustischen Modellen rückt, als deren Konkurrenz sie auch sicherlich gedacht war. Die Japaner waren Anfang der Achziger in allen Punkten um Längen besser als die von CBS kaputtgesparte Fender Produktion, die erst langsam durch Bill Schultz, Dan Smith, John Page und ein paar anderen ambitionierten Leuten wieder auf Schiene gebracht wurde.

Die Verarbeitungsqualität ist absolut top. Wunderschöne Griffbrett-Intarsien und ein doppeltes Binding an den Griffbrettkanten, auch der Body in Tobacco Sunburst ist mehrfach eingefasst, die Lackierung tadellos. Goldhardware und Tuner- Flügel aus Ebenholz, spiegelglatte Bünde, perfekt gefeilter Sattel.

Zwei große Schwachstellen dieser Gitarren dürfen aber auch nicht verheimlicht werden: Die Pickups und die Bridge.

Ich hatte beide Esprits im absoluten Originalzustand bekommen und wollte sie eigentlich auch so belassen. Dem Sammlerwert wäre das sicher auch zuträglich gewesen.
Aber nach einigen Wochen oder sogar Monaten habe ich mich dann doch zum Umbau entschlossen.

Die Bridge ist ja kein großes Ding, die kann man ja auch wieder ohne Probleme zurück tauschen. Fenders originale Rollerbridge dämpft definitiv Sustain und Ton, eine ABM Bridge aus Messing hat Wunder bewirkt und das wahre Potential dieser Gitarre hörbar gemacht.

Bei den originalen Schaller Pickups habe ich lange gegrübelt.

Aufgrund ihrer völlig anderen Befestigung wußte ich, dass ein Umbau unumkehrbar war. Aber Vergleiche mit meinen Gibson Humbucker Gitarren haben mich irgendwann überzeugt. Dieses herrlich raue Schmatzen guter low output Humbucker, dieser vokale, präzise artikulierte Sound...all das hat den Schaller Pickups gefehlt.

Ich hatte dann auch noch das Glück, für die Ultra ein paar großartige alte Gibson Pickups mit Goldkappen zu kriegen. (In der Standard sind Gibson Tim Shaws aus den Achzigern, ebenfalls sehr gute Tonabnehmer).

Auch die 1 Meg Ohm Volume Potis mussten gehen, einzig die TBX Tone Regler bei der Ultra sind geblieben. Die mag ich, weil sie einerseits voll aufgedreht Volume und Tone fast vollständig entkoppeln und Höhenverluste beim Zurückdrehen des Lautstärke Potis minimieren, andererseits in der Mittelrasterung und darunter einen schönen, warmen Jazzton machen können.


Mit diesen Umbauten ist die Ultra nun schon seit Jahren zu einer meiner absoluten Lieblingsgitarre geworden. Wenn ich nur eine einzige Gitarre haben könnte (ein Fall der hoffentlich niemals eintreten wird) dann wäre es ziemlich sicher eine Stratocaster. Dürfte ich zwei behalten, wäre die Esprit Ultra dabei.

Es gibt übrigens eine sehr informative Website über die Master Series Gitarren:

www.masterseriesguitars.com


Vielen Dank für den interessanten Beitrag, Thomas Palme. Ich denke, er macht Appetit auf noch mehr Informationen über diese Gitarre.

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